„Facebook ist ein Eldorado für Pädokriminelle“

„Facebook ist ein Eldorado für Pädokriminelle“

Der Fall Sebastian Edathy hat die Debatte um Kinderpornografie neu entfacht. Im Interview mit der Berliner Morgenpost fordert die Geschäftsführerin von Innocence in Danger verschärfte Gesetze.

Von Diana Zinkler

Was ist Pornografie, was nicht? Die Nacktbilder jedenfalls, die der zurückgetretene NSU-Ausschussvorsitzende Sebastian Edathy (SPD) vom kanadischen Anbieter „Azov Films“ gekauft hat, gelten im juristischen Sinne nicht als pornografisch und der Kauf als legal. Doch Julia von Weiler, Geschäftsführerin von „Innocence in Danger“, einem internationalen Verein, der sich gegen sexuellen Missbrauch und pornografische Ausbeutung an Kindern im Internet einsetzt, sieht eine Gesetzeslücke. Sie sagt, sexuelle Ausbeutung von Kindern beginnt im Auge des Betrachters und fordert ein Gesetz, das generell den Handel und Tausch mit Nacktbildern von Kindern und Jugendlichen verbietet. Julia von Weiler war auch an der Initiative zur Zugangserschwernis für kinderpornografische Webseiten beteiligt, der 2009 ein entsprechendes Gesetz folgte.

Berliner Morgenpost: Was dachten Sie, als Sie hörten, dass ein Bundestagsabgeordneter Nacktbilder von Kindern bestellt hat?

Julia von Weiler: Ich war nicht überrascht. Das Interesse an kinderpornografischem Material, also Missbrauchsabbildungen, geht durch alle sozialen Schichten. Die Strafverfolgungsbehörden in Australien beschreiben den typischen Kinderpornografie-Konsumenten als leicht über Durchschnitt intelligent, mit einem akademischen Abschluss, in einer Beziehung lebend, nicht vorbestraft und Arbeit habend.

In den ersten Tagen konzentrierten sich die Beteiligten vor allem auf die politische Kungelei, um das Wer-hat-was-zu-wem-gesagt. Wie fanden Sie das?

Die einseitige Debatte um die strafrechtliche Relevanz war unsäglich. Aus der Sicht von Herrn Edathy hätte ich das auch thematisiert, aber aus der Sicht von Kindern und deren Würde war das absolut daneben.

…. Berliner Morgenpost, 22.02.2014

Digitaler Kinderschutz

Digitaler Kinderschutz

Julia von Weiler fordert, den  Sprung vom Polaroid- ins Digital-Zeitalter zu vollziehen, um Kinder gegen die vielfältigen Missbrauchsgefahren im Netz zu schützen. Sie fordert, Anbieter gesetzlich zu verpflichten, Angebote für Kinder den Standards des Kinderschutzes zu unterwerfen. Dazu gehört zum Beispiel die Verpflichtung zu einer Altersverifikationen und Kinder/Jugend-Chats bzw. Onlinespiele für Kinder/Jugendliche oder an Kinder/Jugendliche gerichtete soziale Netzwerke nur moderiert anzubieten.

Digitaler Kinderschutz 

Im Juli vergangenen Jahres loggte sich ein Mann in einem Kinderchat ein. Er gab sich als Teenager aus, nannte sich “Marco” und begann mit einem 13-Jährigen Mädchen zu chatten. Sie verliebte sich in ihn. Nach einer Weile nahm er online noch eine zweite Identität an. Als „Bianca“ wurde er zu einer Freundin. Und dann trat er in der Rolle eines Russen-Mafiosos auf. Als der drohte er dem Mädchen, ihren Freund „Marco“ zu töten und sie in ein Bordell zu entführen, wenn sie sich nicht mit ihm per­sönlich treffen würde. “Bianca” riet, der “Mafioso” drohte, und das verwirrte Mädchen machte sich auf zu einer verhängnisvollen Begegnung. Der Mann missbrauchte sie schwer, auf deutsch: er vergewal­tigte sie.

“Er baute ein raffiniertes System aus Lügen und Manipulation auf und hat sich das Mädchen so gefü­gig gemacht.” So sollte später die Analyse des Gerichts lauten, das den 38jährigen Tä­ter zu fünf Jahren und neun Monaten Haft verurteilte. Das alles klingt wie in einem fantasti­schen Film, ist aber bittere Realität. Das Vorgehen ist nur eines von vielen Beispielen für die perfiden Strategien, die Täter und Täterinnen nutzen, um sich Kindern und Jugendlichen im Netz zu nähern, sie real zu treffen und dann zu missbrauchen.

… Veröffentlicht am 31. März 2014 von redaktion@kreuz-und-quer.de

Digitaler Exhibitionismus

Digitaler Exhibitionismus

Eine neue Form des sexuellen Missbrauchs ist durch aktive Teilnahme unserer Kinder möglich geworden: Das arglos ins Internet gestellte Selfie wird immer häufiger zu Material und Handelsware für pädokriminelle Täter.

Von JULIA VON WEILER

Im Oktober 2012 nahm sich ein 15-jähriges Mädchen das Leben. Sie starb vor Verzweiflung darüber, dass sie geärgert und gemobbt wurde. Hundertfach, tausendfach machten sich Menschen im Netz über sie lustig, genauer gesagt: über ihren Körper. Der Tod der Amanda Todd ist nicht irgendeine der vielen beklagenswerten Selbsttötungen, die Jugendliche seit den „Leiden des jungen Werther“ begehen. Amanda markiert einen längst vollzogenen Wendepunkt des Mobbings im Netz – eine Folge dessen, was man den digitalen Exhibitionismus nennen kann.

Die digitalen Medien haben die Gesellschaft nachhaltig verändert. Wir sollten unsere paradiesische Naivität aufgeben und uns den Realitäten stellen. Wir müssen erkennen, was das Neue an der weltweiten digitalen Vernetzung bedeutet – besonders für Jugendliche, die dort ihre Identität suchen.

….

F.A.S. Feuilleton, 16.03.2014 (print)

Der verschleppte Kampf der Politik gegen Kinderpornografie

Kaum gerät die Politik selbst in den Strudel eines Missbrauchsfalles, merkt man wie kopflos und falsch sie reagiert.

Mit dem Fall Edathy kommt in der hohen Politik der Alltag an. Der Alltag im Umgang mit sexuellem Missbrauch. Mitten unter uns, jeden Tag, zu jeder Zeit, an jedem Ort.

Schuld sind immer die anderen

Die Politik beklagt die langsame Vorgehensweise des BKA. Wie kann es sein, so schreien alle ganz laut in jede Kamera, die sich ihnen bietet, dass die Erkenntnisse aus dem kanadischen Fall Spade so lange liegen blieben. Die einen werfen dem BKA wahlweise Vertuschung oder Konspiration gegen den NSU-Ausschuss-Chef Edathy vor. Die anderen sprechen einfach von unfähigen Trotteln im Bundeskriminalamt.

In diesen (zwei Wochen dauernden) hysterischen Ausfällen nimmt sich niemand die Zeit, mit den Fachleuten zu sprechen, für die das tägliches Geschäft ist. Opferberatungsstellen wissen: Wenn Anzeige wegen Missbrauchs erstattet wird, dann gibt es so gut wie nie zügige Ermittlungen. Warum? Weil die Strafverfolgungsbehörden unterbesetzt und überarbeitet sind.

Bereits im August 2008 forderte das BKA gemeinsam mit Dunkelziffer e.V. und Innocence in Danger e.V. neue Wege in der Bekämpfung von Kinderpornografie, der Verbreitung von Missbrauchsabbildungen. Auch der Rücktritt des prominenten Staatsanwalts Peter Vogt aus Halle im Jahr 2009 richtete das Augenmerk auf den Missstand: Es wird zu langsam ermittelt, denn die Strafverfolger sind hoffnungslos unterbesetzt. Gleichzeitig explodieren missbräuchliche Sexualisierung, Cybergrooming und Kinderpornografie im Netz zusammen mit der rapiden Zunahme von mobilen Endgeräten. Vogt sagte mehrfach, „wir haben den Kampf gegen Kinderpornografie verloren.“ Die Presse berichtete ein wenig, die Gesellschaft war sorgenvoll verwundert, alle wollten ein bisschen was tun. Irgendwie so.

Passiert aber ist – nichts.

Nirgends gibt es so wenige Cybercops und eine so netzaffine Anti-Kontroll-Lobby wie hierzulande.

Nun trifft das Resultat genau dieses Zustandes die Politik. Sie reibt sich verwundert die Augen und sucht nach Schuldigen. Natürlich immer wo anders, nie bei sich, ihren Entscheidungen und Haltungen.

Die Politik hat die Mittel in der Hand

Die Politik ist ja auch schon seit drei Jahren ganz nah dran – eigentlich. Es gab einen „Runden Tisch sexueller Kindesmissbrauch“ und es gibt einen „Beauftragten zu Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs„. Aber wenn die politischen Institutionen selbst betroffen sind, man denke an die Diskussion um die Grünen, aktuell die SPD und, wenn man so will, die gesamte Regierung, dann tun alle so, als passiere etwas völlig neues, außergewöhnliches.

Wir stellen also fest: die politischen Akteure, vom Gesetzgeber über die Regierung bis zur Staatsanwaltschaft reagieren in einem solchen Fall wie eine schrecklich normale Familie oder eine ordinäre Institution, die von Missbrauch betroffen ist: Hektisch bis hysterisch versucht man alle Verantwortung von sich zu weisen, verwischt in lautem Gezänk alle Spuren und streitet sich hauptsächlich um die eigene oder die Reputation des armen Täters. Nur die Opfer bleiben allein – mal wieder. Man muss sich vorstellen: Seit zwei Wochen wird der Fall Edathy im deutschen Fernsehen verhandelt und es kam dort noch kein einziger Betroffener zu Wort.

Das ist ein Skandal.

Das führt den Bürgern vor, wie wenig der Kampf gegen sexualisierte Gewalt in der Politik bisher wirklich angekommen ist. Es sind die Regierenden, die jetzt zeigen, dass sie so gut wie nichts begriffen haben von dem, was Missbrauch darstellt und ihn ausmacht.

Man hätte gewarnt sein können.

Erinnern wir uns wie kaltschnäuzig die Länder den Hilfsfonds für Opfer sexueller Gewalt boykottierten; wie lässig Frau Leutheusser-Scharrenberger die Verlängerung der Verjährungsfristen sabotierte; wie dreist die Grünen ihre pädophil unterströmte Vergangenheit erst leugneten, dann schönredeten und die Existenz von Opfern in den eigenen Reihen auch heute noch bestreiten. Gerade so, als hätte es das Canisius-Kolleg, die Odenwaldschule, die Berliner Parkeisenbahn, den Jungen, der seinen Peiniger vor Verzweiflung umgebracht hat, den Bericht Pola Kinskis, die Missbrauch geradezu verherrlichenden Sätze Cohn-Bendits, die verschleppte Aufklärung der Heimkinder Ost, etc., als hätte es das alles nie gegeben.

Chance und Aufforderung zugleich

Und doch bietet sich in all diesem Wahnsinn wieder eine große Chance. Bewusstsein zu schärfen – und endlich wirklich wichtige Strukturen zu schaffen. Dabei müssen die Betroffenen mit absolutem Vorrang behandelt werden.

Die Entschädigungs- und Hilfefonds müssen jetzt vollständig gefüllt und zugänglich gemacht werden.

Der Ausbau der Beratungsstellen gegen sexuellen Missbrauch muss genau so vorangetrieben werden, wie der Ausbau von Anlaufstellen für Pädophile bzw. Täter. Dabei gilt es endlich das  Wissen, nämlich dass knapp 60% der Täter nicht pädophil sind einzubeziehen.

Wir brauchen die Möglichkeit nach britischem oder amerikanischen Vorbild jederzeit eine unabhängige Aufklärungskommission zu berufen, um im Institutionen oder Organisationen egal welcher Art untersuchen zu können.

Der Sprung vom Polaroid- ins digitale Zeitalter

Der digitale Kinderschutz muss rechtlich verankert werden. Er muss den Sprung ins heute schaffen. In ein Zeitalter in dem man überall und jederzeit mit seinem Telefon oder Tablet entblößende oder gar sexualisierte Fotos schießen, hochladen und verbreiten kann.

Hoffen wir, dass diese Chance nicht wieder ungenutzt verstreicht.

In Digitalien scheint immer die Sonne!

Bei den Koalitionsverhandlungen wird viel gerungen. Jede der beiden großen Parteien versucht, ihre Schäfchen ins Trockene zu bringen. Nur in der Unterarbeitsgruppe Digitale Agenda, der AG Medien und Kultur, herrscht große Einmütigkeit: Digitalien für alle! Breitbandausbau überall in Deutschland, Tablets für alle Kinder und Jugendlichen in der Bildung.

Das ist wunderbar und wichtig. Alle sollen gleichermaßen teilhaben sollen an diesen tollen Angeboten. Keiner ausgeschlossen werden von den vielen Möglichkeiten sich zu bilden, zu informieren, die Welt digital zu entdecken.

Probleme gibt es nicht. Kein digitaler Misston.

Oder doch?

Doch, der Datenschutz klappt in Zeiten von NSA und Prism nicht so recht.

Aber sonst trübt nichts die digitale Harmonie. Kein Wort zur Gewalt im Netz – zu der übrigens auch die vielgerühmten Shitstorms zählen. Also kein Wort zu Cyberbullying. Kein Wort zu der wachsenden Dimension von sexuellem Missbrauch via Webcam. In Zeiten von „Sweetie“ und der „Operation Spade„, dem aktuellen Inbegriff bestellten und organisierten Missbrauchs, Kinderhandels und Kindersextourismus.

Sweetie ist eine virtuelle Kunstfigur, eine 10jährige philippinische Mädchenanimation, bereitgestellt von „terre des hommes“ Niederlande, deren Körper binnen weniger Wochen 20.000 Männer weltweit kaufen wollten. Operation Spade ist die Aushebung eines Kinderpornografie-Rings. Bestellt wurde der sexuelle Missbrauch vor allem in Osteuropa. Missbraucht, vergewaltigt und dabei gefilmt wurden vor allem Jungs. Allein beim 42-jährigen Haupttäter wurden 45 Terabyte Daten mit Filmen und Fotos von sexuellem Missbrauch sichergestellt. Druckte man das auf DinA4 Papier, so ergäbe es 1.125 Kilometer. Stellen Sie sich die Autobahnstrecke Berlin – Venedig vor als eine Aneinanderreihung von Bildern sexuellen Missbrauchs.

Alles Ausnahmen! So hört man sofort.

Quatsch.

Die Kunden waren Ärzte, Lehrer, Pfarrer, Pfadfinder – ganz normale Typen halt. Nicht organisierte Kriminelle, aber Täter, die sich an der abgefilmten Vergewaltigung von Kindern befriedigen und selber Teil des Missbrauchs werden.

In Digitalien scheint eben nicht immer die Sonne.

Wir sollten jetzt sofort beginnen, Schutzmaßnahmen zu treffen.

Das sollten auch die Koalitionäre, die gerade die Politik der nächsten vier Jahre entwerfen, nicht vergessen. Wir brauchen vielleicht ein schnelles Breitbandnetz und möglicherweise auch Tablet-PCs für jede Schülerin und jeden Schüler.

Aber wir brauchen ganz sicher, einen verstehbaren, leicht handhabbaren und wirksamen Schutz für Kinder, wenn sie noch schneller und noch überaller surfen, chatten und sich ausprobieren.

Wer hilft Betroffenen von damals? Und wer den Kindern und Jugendlichen heute?

The Daily Abuse

2010 begann die Lawine der Fälle sexuellen Missbrauchs in Institutionen. Opfer berichteten Fälle der vergangenen Jahrzehnte und ließen sich nicht mehr zum Schweigen bringen.

Dachte man.

Wer übernimmt endlich die Verantwortung?

Die aktuelle Debatte um pädokriminelle Strömungen, die unter anderem Einfluss fanden bei den Grünen, den Jungen Liberalen, dem Kinderschutzbund und selbst in vom Berliner Senat finanzierten sozialpädagogischen Projekten, zeigt jedoch vor allem eines: Nur wenige übernehmen Verantwortung und treten tatsächlich für Betroffene ein.

Stattdessen hören wir dieser Tage viele Schuldzuweisungen und sehen viele mit dem Finger der Verantwortung auf andere zeigen. Wir hören keine leisen Töne und wir hören vor allem niemanden, der sagt jetzt packen wir es wirklich an.

Nicht die noch regierende Parteien, nicht die an die Macht strebenden Parteien, noch nicht einmal den unabhängigen Beauftragten zu Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs.

Missbrauch ist immer hochaktuell

Im Jahr 2012 wurden 12.623 Fälle sexuellen Missbrauchs zur Anzeige gebracht.

Hinter dieser Zahl verbergen sich 14.865 missbrauchte Mädchen und Jungen.

Nehmen wir an, diese Mädchen und Jungen werden 20mal missbraucht, bevor sie Hilfe finden.

Dann sprechen wir über mindestens 297.300 Missbrauchshandlungen im Jahr: 297.300mal Angst, Schmerz, Ohnmacht, Ekel, Scham, sich der Übermacht des Täters oder der Täterin ausgeliefert fühlen.

Das sind mindestens 24.775 Missbrauchshandlungen pro Monat. Oder 814 Missbrauchshandlungen am Tag. Oder 34 in der Stunde.

Das bedeutet: alle 34 Sekunden beginnt ein Missbrauch in Deutschland – und das sind nur die angezeigten Fälle.

Führen wir uns jetzt vor Augen, dass laut einer Studie des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens nur jeder 5. Missbrauch angezeigt wird. Das heißt, wir sprechen von 63.115 Fällen sexuellen Missbrauchs alleine im vergangenen Jahr. Wie viele Handlungen mögen das sein?

Also welche Signale senden wir?

Welches Signal senden wir denen, die Missbrauch überstanden? Dürfen sie tatsächlich  darüber sprechen? Oder müssen sie nicht doch lieber weiter schweigen, weil sie immer noch auf Ausgrenzung und Unverständnis stoßen.

Welches Signal senden wir den Mädchen und Jungen, die heute missbraucht werden? Sind wir bereit ihnen zu helfen? Wirklich zuzuhören? Ihnen Sicherheit zu geben und nicht wie auch jetzt die Verantwortung abzuwälzen.

Zum Weltkindertag, zwei Tage vor der Bundestagswahl 2013 ist ein guter Zeitpunkt für alle Parteien und die Gesellschaft sich ihrer Verantwortung zu stellen: Sexuellen Missbrauch zu bekämpfen, Opferversorgung zu gewährleisten und funktionierende Prävention voranzuteiben.

Den Opfern Sicherheit geben

Darum geht es!

Pisaversteher

… nicht den Tätern

Verantwortung für verformte Seelen

Warum es mich verzweifeln lässt, wenn „sie“ davon sprechen.

Da wird man als Kind sexuell missbraucht, in einer Normalität und mit einer Normalität die der missbrauchte Mensch Jahrzehnte lang nicht einordnen kann. Als Kind, zur Zeit der Tat, schon gar nicht.

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Die richtigen Fragen

Seit Wochen plagen sich die Grünen mit der Pädophilie-Debatte vergangener Jahre. Auch die FDP hat es erreicht und jetzt den Kinderschutzbund. Es wird bedauert, gemauert und alle arbeiten sich daran ab. Es wird gestritten, gemahnt oder an den falschen Stellen laut geschwiegen.

Aber wo bleiben die dringenden Fragen, die wir JETZT stellen müssen?

Wer fragt die Parteien so kurz vor der Wahl nach ihrem Programm gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch für die nächste Legislaturperiode?

Warum mischt sich der unabhängige Missbrauchsbeauftragte in diese Debatte nicht kräftig ein? Hat er Furcht um die Verlängerung seiner Stelle, die am nächsten Sonntag offiziell ausläuft?

Wer nimmt die Bundesländer an die Kandare, die sich aus Ihrer Verantwortung stehlen?

Wo sind die Stimmen der Verbände der Jugendhilfe?

Wo die der Fachberatungsstellen gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt?

Wo sind die Parteien selbst?

Was geschieht mit der langen Mängelliste, die durch Christine Bergmanns Untersuchung der Hilfelandschaft entstanden ist?

Wer kümmert sich wirklich um den Online-Kinderschutz?

Missbrauch geschieht täglich

Wer erkennt endlich, dass trotz der offenen Diskussion um das Thema auch heute noch täglich 34 Fälle sexuellen Missbrauchs bei der Polizei angezeigt werden? 2012 waren das 12.623 Anzeigen. Das sind genau betrachtet 1,4 Missbrauchsfälle pro Stunde, also einer alle 42 Minuten. Und das sind nur die bekannten, polizeilich erfassten Fälle.

Wir alle wissen: Es schweigen viel mehr Opfer und es ist unsere Aufgabe sie zu erreichen, ihnen zu helfen, sie zu beschützen.

Und wir wissen auch längst: Das Netz hat das gefährliche Nahfeld, in denen Täter auf Mädchen und Jungen zugreifen, beinahe unendlich vergrößert. Was tun wir, um Kindern und Jugendlichen mehr Schutz und Orientierung im Cyberspace zu geben?

Lippenbekenntnisse sind längst nicht mehr genug.

Sie führen ins Leere – wie uns das unerträgliche Herumgeeiere der Grünen, der FDP und des Kinderschutzbundes vorführt. Man spürt fast, wie erleichtert alle anderen Parteien sind, dass ‚es’, dieses ‚schmutzige’, dieses ‚igitt-igitt’ Thema sie nicht erreicht hat. Man spürt den Widerwillen der Medien, der Gesellschaft sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Idee herrscht, es betrifft doch irgendwie nur die ‚anderen.’

Aber das stimmt nicht. Jedes 4./5. Mädchen – jeder 7./9. Junge wird bis zum 18. Lebensjahr Opfer eines sexualisierten Übergriffs – von der Begegnung mit einem Exhibitionisten bis hin zum schweren sexuellen Missbrauch. Das bedeutet, wir alle kennen Opfer in unserem Umfeld, ohne es zu wissen. Und das bedeutet auch, wir alle kennen Täter und Täterinnen in unserem Umfeld.

Missbrauch geschieht mitten unter uns. Wir könnten viel mehr dagegen tun. Nie war die Chance dafür so groß wie heute.

Die richtige Frage ist also, wie wollen die Parteien in der nächsten Legislatur Gewalt an und Missbrauch von Kindern aktiv bekämpfen? Wie wollen sie Opfern helfen? Wie Betroffene von heute und gestern adäquat versorgen?

Wann geht es endlich los?

Aufruf und grüne Opferhotline jetzt einrichten

Der Aufklärer des grünen Missbrauchs, Professor Franz Walter, kann die Opfer der grünen Ideologie nicht anhören. Es braucht jetzt einen offenen Aufruf an mögliche Opfer – und eine fachliche psychologische Betreuung durch die Hotline des Unabhängigen Beauftragten

Professor Franz Walter und sein Team tragen vieles zu Tage. Von den Grünen beauftragt, pädophile bzw. pädokriminelle Strömungen in der Partei zu erforschen, stößt Walter auf immer neue missbräuchliche Strukturen der 1970er und -80er Jahre. In den Reihen der Grünen, aber auch bei anderen: Der FDP und aktuell dem Kinderschutzbund.

Was bei der Aufklärung durch Professor Walter allerdings deutlich zu kurz kommt, ist die Anhörung möglicher Opfer. Walter betont immer wieder, sich Opfern zuwenden zu wollen, allerdings gibt es bis heute immer noch keinen Aufruf an Betroffene, sich zu melden und ihr Schweigen zu brechen.

Der unabhängige Beauftragte Johannes-Wilhelm Rörig betont, dass es eine Aufklärung ohne Einbeziehung der Opfer nicht geben kann. Aber Walters Institut wäre fachlich gar nicht kompetent, um Traumatisierte anzuhören. Es wird also Zeit, dass sich der Beauftragte mit seiner Kompetenz einmischt.

Daher müssen die Grünen und der Unabhängige Beauftragte Rörig, einen Aufruf an mögliche Opfer starten.

Hintergrund: Warum ist dieser Aufruf gerade bei den Grünen so wichtig?

Immer dann, wenn es um Missbrauch in den eigenen Reihen geht, schließen sie sich. Egal wie vermeintlich konservativ oder gar aufgeklärt die betroffenen Institutionen sind: Es wird gemauert, geleugnet und vertuscht. Der Mechanismus ist immer derselbe.

Was wir bei den Grünen beobachten, ist dass sie die Technik der Vertuschung besonders gut beherrschen. Führende Parteimitglieder bringen die Opfer der grünen Ideologie weiter zum Schweigen. Im Focus erklärte Marieluise Beck, wie man das mit dem Missbrauch vor und nach 1968 zu verstehen habe: Missbrauch habe es schon immer gegeben – nur sei er früher schlimmer gewesen: „die Opfer blieben allein mit ihrer Scham und den Schuldgefühlen.“ Opfer sexuellen Missbrauchs vor 1968 hätten diesen also sittsam ertragen müssen, sagt Beck (Focus 26.8.13).

Heute hingegen seien wir weiter, meint Frau Beck. „Der Unterschied zwischen den Tätern und den Opfern ist inzwischen ganz klar.“

Doch leider ist bei Frau Beck überhaupt nichts klar. Sie insinuiert, Missbrauch in einer libertären und aufgeklärten Gesellschaft sei irgendwie weniger schlimm – weil er die Opfer a) nicht mehr allein lasse und b) öffentlich diskutiert werden könne.

Kein Entkommen

Aber es ist ganz anders, als Marieluise Beck denkt. Gerade die Öffentlichkeit der grünen Missbrauchs-Propaganda war und ist das Problem. An wen sollte ein missbrauchtes Kind sich wenden, wenn jemand wie Daniel Cohn-Bendit öffentlich vom fantastischen Sex einer Fünfjährigen schwärmte? Wenn grüne Gruppierungen laut die Abschaffung des Paragraphen 176 StGB forderten? Wer hörte zu? Wer wandte sich gegen die verkündete Hauptströmung? Und an wen sollen sich Betroffene heute wenden, wenn die Führungskräfte der Grünen immer wieder betonen, dass es bei den Grünen weder Täter und noch Opfer gebe?

In Wahrheit haben die 1968er den Druck verdreht – und dabei erhöht. Aus dem Schweigemantel der Prüderie wurde der allgegenwärtige Druck der sexuellen Befreiung aufs Kind: ‚alle wollen immer Sex mit allen – auch mit uns.’

So wurden Kinder in den berühmten 68er oder grünen Kommunen quasi öffentlich gezwungen, Übergriffe und Missbrauch zu erdulden. Es gab Protokolle von sexueller Gewalt an Kindern, die in politischen Zeitschriften abgedruckt und bestaunt wurden (Kursbuch 17). Die Kinder konnten sich hinterher auch nicht darüber beschweren.

Für die Kinder mancher Grüner und 68er war die große befreite Offenheit in Wahrheit ein geschlossenes repressives System.

Im übrigen gab es damals durchaus mutige Frauen, die sehr genau erkannten: „Es ist falsch, die Pädos zu dulden und sogar ihre Formeln aufzugreifen, wir müssen die Kinder schützen!“ Nur standen sie damals in keinem guten Ruf bei den entstehenden Grünen. Sie wurden öffentlich beschimpft.

Sie wollen es heute immer noch nicht wissen

Selbst heute gilt, nirgends ist es schwerer als bei den Grünen, über Betroffene zu reden. Sie laden die Opfer nicht ein, zu sprechen, sie laden sie geradezu aus:

Auf ihrer Wahlkampftour durch Bayern erklärte Fraktionschefin Renate Künast, „wir sind nicht der Ort der Täter“. In den 1980er habe man sich bei den Grünen eben offen mit Sexualität auseinandergesetzt (süddeutsche.de, 5.9.13).

Im März 2010 hatte Künast gegenüber Spiegel Online noch die Regierung kritisiert: sie „mache sich zu viele Gedanken um Institutionen, statt die Opfer in den Mittelpunkt zu stellen.“ Künast forderte es solle „eine unabhängige Kommission beim Deutschen Bundestag eingerichtet werden, die die Missbrauchsfälle in einem Bericht aufarbeitet“ (24.03.2010).

Wer also ruft Betroffene endlich dazu auf, sich zu melden?

Die Grünen?

Professor Walter und sein Team – der das irgendwie tut, aber nicht explizit?

Der Kinderschutzbund, der die Meldungen zur Unterwanderung durch Pädophile heute ernst nehmen und untersuchen will – obwohl er sie seit 1993 aus der Zeitung hätte kennen können?

Oder der unabhängige Beauftrage für Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, der über eine telefonische Anlaufstelle verfügt, aber dessen Amtszeit mit dieser Legislatur endet?

Macht-Missbrauch

Damals wollte man an die Macht – und nahm Kollateralschäden in Kauf. Das gilt bedauerlicherweise auch heute. Kurz vor der Bundestagswahl scheint es wichtiger, das Thema zu befrieden, statt aufzuräumen.

Es wird Zeit umzudenken und zu begreifen, dass die missbrauchten Kinder von damals wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger von heute sind. Und es gilt zu begreifen, dass auch heute täglich 33 Fälle sexuellen Missbrauchs zur Anzeige bei der Polizei gebracht werden. Vom Dunkelfeld ganz zu schweigen.

Welches Signal senden wir diesen Mädchen und Jungen?

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