Nacktbilder und Kinderrechte

Die sogenannte Edathy-Affäre gibt der Gesellschaft auch eine Chance. Das hat die Diskussion bei Maybrit Illner erneut gezeigt. Wir müssen uns, ausgelöst auch durch die Bestellungen des Ex-MdB Edathy von Nacktbildern, uns mit der Problematik solcher Aufnahmen nackter Kinder befassen. Es geht darum, endlich verstehen, welche Gefahren und Zusammenhänge dabei bestehen. Nacktbilder von Kindern sind Vor- und Abfallprodukt der Dokumentation von Missbrauchsabbildungen, d.h. von sexualisierter Gewalt gegen Kinder in ihrer härtesten Form.

Sebastian Edathy hat leider noch wenig verstanden. Er hat die Chacen verpasst, sich zu entschuldigen, sagte ich bei Maybrit Illner

Im Zeitalter von Internet und sozialen Medien verändert sich zudem die klassische Form des Kinderbildes. Eltern, die ihre Kinder am Strand knipsen, darunter auch harmlose Nacktbilder, stehen heute in einer neuen Situation – wenn sie diese Fotos absichtlich oder unabsichtlich ins Netz hochladen. Ohnehin verändert das Netz den Umgang mit dem Bild, das Selfie ist zum wichtigsten Motiv der Selbstdarstellung geworden. Missbrauch und sexualisierte Gewalt verändern sich dabei auf vielfache Weise.

Bei WDR sagte ich in einem Radio-Interview: „Wir sind gezwungen, ein Stück paradiesische Naivität aufzugeben – weil uns immer wieder vor Augen geführt wird, dass die Nacktbilder von Kindern auch pervertiert werden. Wir müssen hier sehr genau unterschieden: Erfreue ich mich an dem Anblick – oder erkenne ich auch, wie diese Kinder bereits in Pose gesetzt sind. Welcher erwachsene Blick liegt schon in der Inszenierung dieses Bildes?“ Link dazu ins Radio zu WDR5

 

Rezensionen und Stimmen zur Sendung:

„Julia von Weiler sah im Handeln Edathys die typische Vorgehen eines solchen Täters: Erst leugnet er, dann bagatellisiert er, um sich am Ende als Opfer zu stilisieren.“ Frankfurter Rundschau

„Die Grauzonen im Bereich der Kinderpornografie sind immer noch zu groß.“ Welt

„Sebastian Edathy hat die große Chance vertan, sich zu entschuldigen“. BILD

„Noch nie war es so einfach wie heute mit den digitalen Medien, solche Bilder zu produzieren und dann auch noch weltweit zu verbreiten“, n-tv

Ein Kommentar zu “Nacktbilder und Kinderrechte

  1. Angelika Oetken sagt:

    Die Debatte, die der Fall Edathy ausgelöst hat ist heilsam. Sie führt eine lange Tradition fort, in der sich Erwachsene für den Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung einsetzen. Häufig gegen den Mainstream. Es gilt eine gesellschaftlich tief verwurzelte Fahrlässigkeit, was Sexualität in Bezug auf Kinder betrifft in gesunde Skepsis und Verantwortungsbewusstsein zu verwandeln.

    Diesmal geht es um unseren Umgang mit Abbildungen, die aufgrund neuer Techniken schnelle Verbreitung finden. Herr Edathy bot dafür lediglich den Anlass. So wie es scheint, entspricht er wohl leider dem typischen Pädo“philen“. Mit den Symptomen der kognitiven Verzerrung, Egozentrik und sozialer Zockerei. Folgen einer tief verwurzelten Persönlichkeitsstörung. Ich hoffe, dass Sebastian Edathy die Grenzen gesetzt werden, die solche Männer brauchen, um sich dazu zu entschließen, eine wirksame Therapie zu beginnen und den Weg der Destruktion zu verlassen. Die Prognosen bei Pädo“philie“ sind allerdings schlecht. Auch weil es zu wenige ursächlich und umfassend arbeitende Therapieangebote für betroffene Personen gibt.

    Aber die Diskussion und die längst überfällige Anpassung der Gesetzgebung zeigt auch, dass die Verletzungen, die sexuelle Ausbeutung bei ihren Opfern verursacht, von der Öffentlichkeit und den Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft neu bewertet werden. Der Gewaltbegriff wird dabei neu definiert. Was wichtig ist. Denn unter Anderem die falsch verstandene Libertinage der so genannten „sexuellen Revolution“ und die Diskussion um den „Missbrauch durch den Missbrauch“ haben hier auch viel kaputt gemacht und Fehlannahmen produziert.

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