Die richtigen Fragen

Seit Wochen plagen sich die Grünen mit der Pädophilie-Debatte vergangener Jahre. Auch die FDP hat es erreicht und jetzt den Kinderschutzbund. Es wird bedauert, gemauert und alle arbeiten sich daran ab. Es wird gestritten, gemahnt oder an den falschen Stellen laut geschwiegen.

Aber wo bleiben die dringenden Fragen, die wir JETZT stellen müssen?

Wer fragt die Parteien so kurz vor der Wahl nach ihrem Programm gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch für die nächste Legislaturperiode?

Warum mischt sich der unabhängige Missbrauchsbeauftragte in diese Debatte nicht kräftig ein? Hat er Furcht um die Verlängerung seiner Stelle, die am nächsten Sonntag offiziell ausläuft?

Wer nimmt die Bundesländer an die Kandare, die sich aus Ihrer Verantwortung stehlen?

Wo sind die Stimmen der Verbände der Jugendhilfe?

Wo die der Fachberatungsstellen gegen sexuellen Missbrauch und Gewalt?

Wo sind die Parteien selbst?

Was geschieht mit der langen Mängelliste, die durch Christine Bergmanns Untersuchung der Hilfelandschaft entstanden ist?

Wer kümmert sich wirklich um den Online-Kinderschutz?

Missbrauch geschieht täglich

Wer erkennt endlich, dass trotz der offenen Diskussion um das Thema auch heute noch täglich 34 Fälle sexuellen Missbrauchs bei der Polizei angezeigt werden? 2012 waren das 12.623 Anzeigen. Das sind genau betrachtet 1,4 Missbrauchsfälle pro Stunde, also einer alle 42 Minuten. Und das sind nur die bekannten, polizeilich erfassten Fälle.

Wir alle wissen: Es schweigen viel mehr Opfer und es ist unsere Aufgabe sie zu erreichen, ihnen zu helfen, sie zu beschützen.

Und wir wissen auch längst: Das Netz hat das gefährliche Nahfeld, in denen Täter auf Mädchen und Jungen zugreifen, beinahe unendlich vergrößert. Was tun wir, um Kindern und Jugendlichen mehr Schutz und Orientierung im Cyberspace zu geben?

Lippenbekenntnisse sind längst nicht mehr genug.

Sie führen ins Leere – wie uns das unerträgliche Herumgeeiere der Grünen, der FDP und des Kinderschutzbundes vorführt. Man spürt fast, wie erleichtert alle anderen Parteien sind, dass ‚es’, dieses ‚schmutzige’, dieses ‚igitt-igitt’ Thema sie nicht erreicht hat. Man spürt den Widerwillen der Medien, der Gesellschaft sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Idee herrscht, es betrifft doch irgendwie nur die ‚anderen.’

Aber das stimmt nicht. Jedes 4./5. Mädchen – jeder 7./9. Junge wird bis zum 18. Lebensjahr Opfer eines sexualisierten Übergriffs – von der Begegnung mit einem Exhibitionisten bis hin zum schweren sexuellen Missbrauch. Das bedeutet, wir alle kennen Opfer in unserem Umfeld, ohne es zu wissen. Und das bedeutet auch, wir alle kennen Täter und Täterinnen in unserem Umfeld.

Missbrauch geschieht mitten unter uns. Wir könnten viel mehr dagegen tun. Nie war die Chance dafür so groß wie heute.

Die richtige Frage ist also, wie wollen die Parteien in der nächsten Legislatur Gewalt an und Missbrauch von Kindern aktiv bekämpfen? Wie wollen sie Opfern helfen? Wie Betroffene von heute und gestern adäquat versorgen?

Wann geht es endlich los?

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