Noch immer werden Pädokriminelle gedeckt.

Die Grünen müssen ihre Taten extern aufklären und sich den Opfern hinwenden!

Frau von Weiler, mit den Grünen und der FDP geraten nun auch direkt Politiker in den Verdacht des Missbrauchs. Ist das nicht unheimlich?

Julia von Weiler: Nein, es ist alltäglich. Erinnern wir uns, es ist noch nicht so lange her, dass der CDU-Spitzenpolitiker eines Landes wegen „einer Liebesaffäre mit einer 16jährigen“ zurückgetreten ist. Damals kam öffentlich kein Mensch auf die Idee, die  ungeheure Macht- und Altersdifferenz zu hinterfragen.

Seit drei Jahren erfahren wir in Deutschland immer mehr über Missbrauchsfälle in allen gesellschaftlichen Schichten. Jetzt ist die Politik dran – und siehe da, die Bigotterie ist am größten. Jürgen Trittin handelt für mich wie ein abwiegelnder katholischer Bischof aus 2010. Würden die Grünen die eigenen Maßstäbe anlegen, müsste sein Handeln in den eigenen Reihen einen Sturm der Entrüstung hervorrufen. Stattdessen: Schweigen oder schlimmer noch Eigenlob für die Partei.

Wollen Sie die Grünen etwa mit der Katholischen Kirche vergleichen? 

Ja, ich sehe das exakt gleiche Handlungsmuster. Zunächst wird abgewehrt und geleugnet. Dann unter großen Anstrengungen genauer hingeschaut, stückweise eingeräumt, aber die Verantwortung immer abgelehnt.

Als z.B. Daniel Cohn-Bendits unsägliche Äußerungen „vom fantastischen Sex mit 5jährigen“ im April 2013 zum wiederholten Mal  hochkamen, sagten die Grünen: ‚Ach, alles olle Kamellen!‘ Oder: ‚Das ist doch nur gemeines, politisch motiviertes Wahlkampfgetöse.‘

Dann deckte die Presse Schritt für Schritt auf: Die Grünen hatten eine organisierte und gut bezahlte pädokriminelle Beratertruppe im Bundestag sitzen. Die pädokriminellen Strömungen wurden auch durch prominente Schreibtischtäter wie Daniel Cohn-Bendit unterstützt.

Die Bagatellisierung von sexueller Gewalt getarnt als große Toleranz ließ zu, dass Pädokriminelle ungehindert missbrauchten. Darüber hinaus forderten sie öffentlich und aggressiv die gesellschaftliche Akzeptanz ihres Handelns, also sexuellen Missbrauchs.

Inzwischen sind grüne Täter enttarnt worden. Und was ist die Reaktion? Alles Einzeltäter, heißt es. Es gab doch keine missbräuchliche Struktur! Eine Opfer-Hotline brauchen wir nicht, hat Jürgen Trittin gerade in der Welt erklärt. Genauso hat die Kirche vor drei Jahren reagiert. Trittin hat eine Kardinalsmütze auf.

Was kann man tun?

Wir müssen als erstes die Opfer stark machen. Die ersten Opfer grüner Parteikommunen beginnen gerade sich heraus zu trauen. Für sie alle muss eine Anlaufstelle eingerichtet werden. Aus der Arbeit mit Betroffenen wissen wir genau: Die Opfer von sexueller Gewalt müssen sehr aktiv und zugleich behutsam zum Sprechen ermutigt werden.

Da können sich die Grünen übrigens ein Beispiel an den Katholiken nehmen. Der Brief und der öffentliche Satz von Pater Klaus Mertes SJ ist unerreicht: ‚Wir haben schwere Verbrechen begangen. Meldet Euch alle, wir hören Euch zu!‘

Das brauchen die Betroffenen – und keine schnoddrigen Interviews des Missbrauchs-Verherrlichers Cohn-Bendit oder Abwiegelungen durch Trittin und Co.

Wissen Sie denn, ob es bei den Parteien aktive Missbrauchs-Strukturen gab?

Bei den Grünen auf jeden Fall. Der erste Versuch einer Aufklärung durch den Göttinger Parteienforscher Franz Walter belegt das ja eindrucksvoll. Trotzdem springen die Grünen auch dort zu kurz. Bisher macht Professor Walter eine reine Papierrecherche. Um Institutionen wie die Grünen gut zu durchleuchten, muss man aber die Opfer anhören.

Warum?

Damit man weiß, durch welche Personen, Strukturen und vor allem durch welche Ideologie man sie hereingelegt hat. Das bedeutet, wir brauchen unabhängige Kommissionen wie sie etwa im Fall des berühmten Radiomoderators Jimmy Savile in England gebildet wurden: Da waren Richter, Psychologen und Interviewexperten beteiligt und haben in wenigen Monaten erschütternde Berichte über das Fehlverhalten der BBC und der Behörden zusammen gestellt.

Was haben die Opfer davon?

Dass ihr Leiden anerkannt wird. Dass sich niemand mehr herausreden kann. Dass jeder nachlesen kann, wie es zu den teilweise gespenstischen Taten kommen kann. Das fehlt hierzulande. Wenn die Taten verjährt sind und niemand strafrechtliche zur Rechenschaft gezogen werden kann, stehen die Opfer ohne offizielles Dokument da.

Wir müssen also die Institutionen unabhängig aufklären. Und gleichzeitig müssen wir ihnen Hilfen anbieten, damit sie erlittene Traumata bewältigen können.

Das ist eine Riesenaufgabe!

Ja, aber wir haben doch brillante Expertinnen und Experten für diese Arbeit. In Deutschland gibt es Hunderte von Beratungsstellen und Therapieeinrichtungen, die seit vielen Jahren hervorragende Arbeit leisten – praktisch im Verborgenen.

Die Politik macht seit drei Jahren viel Show und Gewese mit Runden Tischen usw. Zur gleichen Zeit müssen die Beratungsstellen vor Ort kürzen oder schließen, weil sie nicht finanziert werden.

Wir haben gerade einen Skandal erlebt: Der Bund musste seinen Hilfs- „Fonds sexueller Missbrauch“ ohne die Länder starten. Das heißt, keine drei Jahre nach den großen Missbrauchsskandalen in den kirchlichen und reformpädagogischen Internaten konnten sich die Bundesländer vor aller Augen aus der Verantwortung stehlen.

Zahlungen durch den Fonds sind übrigens noch nicht geflossen.

2 Kommentare zu “Noch immer werden Pädokriminelle gedeckt.

  1. Red Mama sagt:

    Super Artikel. Ich bin froh, dass Sie sich zu einem Blog entschieden haben.

  2. felix sagt:

    „(…)Dann unter großen Anstrengungen genauer hingeschaut, stückweise eingeräumt, aber die Verantwortung immer abgelehnt.(…)“

    Verantwortung tragen heißt aber: Eine Entscheidung, ein Tun zu vertreten und auch die negativen Folgen zu tragen!

    Aber die Folgen tragen hier die Opfer! Sie (Täter und Täterinstitutionen) können die Verantwortung also für das Unsägliche gar nicht tragen.

    Wenn sie dieser Formulierung gerecht werden wollen, dann müssen sie auch die negativen Folgen tragen bzw. dann müssen sie die Folgen mit allem was ihnen zur Verfügung steht (Macht, Besitz, Menschlichkeit) versuchen zu lindern.
    Tut das irgendjemand?
    Nein!
    Niemals!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s